Frédérique Edy

Das Tier in uns

19 January - 02 March 2013

Die Galerie Albrecht nutzt den Jahresbeginn, die neuen Skulpturen der Bildhauerin Frédérique Edy zu zeigen, ihre Gedanken zu Mensch und Tier.

 

Diese Beziehungen haben eine wechselvolle Geschichte. Das Tier wurde und wird als Gott verehrt in den alten Kulturen bis in die heutige Zeit. Das Tier macht Angst, es erscheint im Traum: Horror. Der Mensch verwandelt sich in ein Tier und die Menschen schliessen ihn aus: Die Verwandlung. Das Tier ist ein niederes Wesen ohne Verstand und Selbstbewusstsein: Die Frau ist dem Tiere näher, sagt Bassow in den Sommergästen von Maxim Gorki. Das Tier wird des Menschen Kamerad und Begleiter, manchmal der einzige, der ihm bleibt. Das Tier in uns. Nur die Projektionen der Menschen verleihen dem Tiger menschliche Eigenschaften, wie Freundschaft, Trauer, Verständnis, Zärtlichkeit, der Tiger wird niemals menschlich, sagt der Vater zu Pi im Film Life of Pi und der Film gibt ihm recht. Der Mensch aber will dem wilden Tier näher kommen, es zähmen und verstehen: Joseph Beuys den Koyoten. Er möchte sich manchmal in ein Tier verwandeln und sich dessen Fähigkeiten einverleiben. Der Mann als Bär hat mehr Kraft und Drohpotential. Welcher Mann wünscht sich das nicht ab und zu, auch heute in der zivilisierten Welt? Das Tier bliebt Tier, der Mensch macht es sich nicht untertan, auch wenn er es noch so knechtet oder überzeugt davon ist, es vollständig zu verstehen und in der Hand zu haben.

 

Die Dimension dieser Beziehung erfassen die neuen Skulpturen von Frédérique Edy. Der Mann verwandelt sich in einen Bär oder einen Stier, der harmlose Taschenkrebs verschlingt Menschen und die schöne, viel gesammelte Muschel sieht aus wie eine Bombe. Es müssen nur die alten, im menschlichen Unbewussten lauernden Instinkte an die Oberfläche kommen oder sich die Dimensionen ändern. Der Mensch hat das vollzogen, er hat in der Tierwelt Vorkommendes als Vorbild genommen und in der Dimension verändert, aber in einem Punkt kommt er dem Tier nicht gleich. Er kann nicht so vielfältige, zuweilen erstaunliche Formen entwickeln wie sie und sich so nahtlos an seinen Lebensraum anpassen. Auch davon zeugen die Skulpturen.

 

Bleibt am Ende zu sagen: Das Tier ist Teil des Menschen und noch immer in ihm lebendig. Das Tier hat viele Fähigkeiten, die dieser nicht hat, sie leben in verschiedenen Welten und doch wäre der Mensch einsam und verloren ohne das Tier.

 

Frédérique Edy Französin,1967 in Antwerpen, Belgien geboren, lebte mit Ihrer Familie in Pretoria, Südafrika, Washington, USA und seit sie 12 Jahre alt ist in Paris. Heute lebt und arbeitet sie in Cariatiz in der Nähe von Granada. Sie studierte von 1989 bis 1992 bei dem Bildhauer Manfredi Quartana (Schüler von Etienne Martin) von 1994-96 Steinbildhauerei an der Ecole de Glacier ebenfalls in Paris. Von 1997-99 erhielt sie das Stipendium Casa Velazquez Madrid der Academie Francaise, seitdem lebt sie in Spanien. Weitere Preise: 1998 Prix Paul Belmondo – der Bildhauer Paul Belmondo ist der Vater von Jean-Paul Belmondo, 1999 Prix G. Wildenstein de l’ Institut de France, 2000 Grand Prix de Portrait Paul-Louis Weiller.

 

Galerie Albrecht starts off the new year with a show of new sculptures by Frédérique Edy: her thoughts about humans and animals.

 

These relations have a varied history. In ancient cultures, and to this day, animals have been worshipped as gods. Animals can frighten us, they appear in our dreams: horror. A human being can become an animal, and then he is excluded by human society: the metamorphosis. The animal is a lower creature without reason and consciousness: the woman is closer to the animal, says Bassoff in Maxim Gorki’s Summerfolk. Animals become man’s companion and friend, sometimes the only one who remains. The animal in us. Only man’s projections lend human attributes to the tiger, attributes such as friendship, sadness, understanding, tenderness; the tiger will never become human, says the father to Pi in the film Life of Pi, and the film shows this to be right. But man wants to come close to the wild animal, tame and understand it, like Joseph Beuys the coyote. Sometimes man wants to become an animal and appropriate its abilities. Man as a bear has more power and greater potential to be threatening. What man does not at least sometimes long for this, even in our civilised world? The animal remains an animal, man does not subject it, regardless of how much he may enslave it, however much he may be convinced he understands and controls it.

 

The new sculptures by Frédérique Edy grasp and transport this dimension of the relationship. The man becomes a bear or bull, the harmless crab swallows people, and the beautiful conch looks like a bomb. All that is needed is that the old instincts, lurking in the human unconscious, come to the surface, or that the dimensions change. Man has executed this, he has taken things that exist in the animal kingdom as a model and changed its dimensions, but in one point, he cannot rival animals. He cannot assume such varied and often remarkable shapes, and he cannot adapt so perfectly to his habitat as they do. The sculptures speak of that, too.

 

At the end, all that remains to be said is that the animal is part of man, and still alive in him. Animals have numerous abilities that man does not have, they inhabit different worlds, and yet, without animals, man would be lonely and lost.

 

The French artist Frédérique Edy, born in 1967 in Antwerp/Belgium, lived with her family in Pretoria/South Africa, Washington DC/USA, and from age 12 onwards in Paris. Today, she lives and works in Cariatiz near Grenada. From 1989 to 1992, she studied with the sculptor Manfredi Quartana (who was a student of Etienne Martin), and she was trained in stone sculpture at the Ecole de Glacier, also in Paris (1994-96). In 1997/98, she received the fellowship Casa Velazquez Madrid from the Academie Francaise, and since then she has been living in Spain. Further awards: 1998 Prix Paul Belmondo (the sculptor Paul Belmondo is Jean-Paul Belmondo’s father), 1999Prix G. Wildenstein de l’ Institut de France, 2000 Grand Prix de Portrait Paul- Louis Weiller.