Norio Takasugi

Kaleidoskop

07 December 2013 - 18 January 2014

Norio Takasugi wurde 1973 in Japan geboren, er studierte Industriedesign und Bildhauerei an der Musashino Art University in Tokio. Seit 2004 lebt und arbeitet er in Berlin. 2012 war er im Haus der Kulturen der Welt in „Labor Berlin 12“ zu sehen. Die Galerie Albrecht freut sich, die Arbeit nun in seiner ersten Einzelausstellung vorzustellen.

 

Die deutsche Sprache hat er gelernt, er spricht sie fliessend, in seiner künstlerischen Sprache aber ist er Japaner geblieben. Die alten japanischen Traditionen setzt er ein, um der heutigen Zeit der Massenproduktion Widerstand zu leisten. Aber er kritisiert das Massenprodukt nicht, im Gegenteil, er lässt sich gerne davon verführen. Die Kataloge der Versandhäuser, sagt er, wirken inspirierend. Schaut man den IKEA-Katalog an, beginnt man seine Räume einzurichten und denkt über sein Leben und seine Lebenswünsche nach. Der IKEA-Katalog ist dann auch die Grundlage seiner Arbeit und die traditionelle japanische Methode des Harie, des Erschaffens von Bildern aus hunderten von kleinen Papierschnipseln. Er schneidet die Schnipsel aus den Abbildungen des Katalogs aus und fügt sie wie in einem Kaleidoskop wieder neu zusammen. Sie werden das Federkleid der Vögel, die Haut der Frösche, Haut und Panzer der Schildkröte. Die Objekte stellt er in limitierter Auflage selbst her, jedes Stück bekommt ein Label, auf dem die verwendeten Papiere dokumentiert sind, eine Nummer und einen Titel. Nummer und Titel finden sich auf der Verpackung, zu jedem Objekt gehört eine Verpackung. Die Vögel bekommen ein Vogelhaus aus Karton mit Guckloch, die Frösche einen Glassturz und einen Karton. Das gleicht dem Massenprodukt, für den Japaner hat das Verpacken jedoch eine traditionelle Bedeutung. Das Verpacken (tsutsumu) verleiht den Dingen etwas Heiliges. Sie werden von der Außenwelt getrennt pur und rein. Es ist der Ausdruck von Respekt und Sorgfalt im Umgang mit den Dingen.

 

Norio Takasugi wandelt Massenprodukte in Kostbarkeiten allein durch die Investition immaterieller Güter: Seiner Handarbeit, seiner Zeit und Zuwendung.

 

 

Norio Takasugi, born in 1973 in Japan, studied industrial design and sculpture at the Musashino Art University in Tokyo. Since 2004, he has been working and living in Berlin. In 2012, his works were exhibited in “Labor Berlin 12” at Berlin’s Haus der Kulturen der Welt. Galerie Albrecht is pleased to present his work in his first solo show.

 

He has learned German and speaks the language fluently, but in his artistic vocabulary, Norio Takasugi has remained Japanese. He uses the old Japanese traditions to resist our current age of mass production. However, he does not criticise mass-produced articles, on the contrary, he likes being seduced by them. Mail-order catalogues are, he says, inspiring to him. When looking at an IKEA catalogue, you start furnishing your apartment in your mind, and you begin to think about your life and plans and desires. So the IKEA catalogue is the point of departure of his work, he uses it for the traditional Japanese method of harie, the creation of images out of hundreds of small scraps of paper. Takasugi cuts the scraps from the catalogue illustrations and combines them again, like in a kaleidoscope. They become a bird’s plumage, frogs’ skin, or the skin and shell of a tortoise. He produces the objects himself as limited editions, each piece is given a label documenting the papers used, with a number and a title added. Number and title are on the packaging which belongs to every object. The birds get a bird cage with a peephole, the fogs a bell jar and a box. That is reminiscent of a mass-produced article, but for the Japanese, packaging has a traditional significance. Packaging things, tsutsumu, gives them a sacred quality. Separated from the exterior world, they become pure and pristine. It is an expression of respect and care in dealing with objects.

 

Norio Takasugi transforms mass-produced things into precious objects merely through investing them with immaterial goods: his manual skill, his time and attention.