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Albrecht

DAVID CONNEARN | GERHARD LANG

drawing

April 26 – June 8, 2019

April 26, 7pm

The process of seeing the clouds, Visus Signatus drawing with rain shower, Schloss Nauses, 23. December 2018, soft pastel and water colour pen on Arches paper, 648 x 1016 cm © VG Bild-Kunst, 2019, Bonn

The process of seeing my face, Visus Signatus drawing, B6 - 275, 1.05 am, 10 December 2018, pencil on paper, 21,5 x 13,7 cm © VG Bild-Kunst, 2019, Bonn

The process of seeing the waxing moon, Visus Signatus drawing, Schloss-Nauses, 12.03 am, 19 February 2019, pencil on paper, 29,7 x 29,7 cm © VG Bild-Kunst, 2019, Bonn

para - landscape series, Drawings number 1 through to 15, 0.5 mm black rotring ink on 300g Heritage Rag paper, 29,7 x 42,0 cm

Untitled drawing (NY Puck Building perfomance drawing), 1983, 1.4 mm black rotring ink line in 300 g Heritage Rag paper, 196 x 196 cm

Untitled drawing (NY Puck Building perfomance drawing), DETAIL, 1983, 1.4 mm black rotring ink line in 300 g Heritage Rag paper, 196 x 196 cm

para portrait series #7, 0.5mm black rotring ink on 300g Heritage Rag paper, 42 x 29,7 cm

para portrait series #12, 0.5mm black rotring ink on 300g Heritage Rag paper, 42 x 29,7 cm

para landscape series #20, 0.5mm black rotring ink on 300g Heritage Rag paper, 29,7 x 42 cm

Installationsansicht

Installationsansicht

Installationsansicht

Installationsansicht

Gerhard Lang

 

Was sehen wir, während wir zeichnen? Wir schauen auf das Motiv, ein Gesicht, eine Landschaft, eine  Wolke oder den Mond, dann auf das Papier, während wir den Stift führen, dann wieder auf das Motiv. Wir können also nicht gleichzeitig auf das schauen, was wir zeichnen, und auf die Zeichnung selbst. Wir sehen also immer und sehen gleichzeitig nicht. Diese unhintergehbare partielle „Blindheit“ hat schon viele Künstler dazu geführt, „Blindzeichnungen“ durchzuführen, also mit geschlossenen Augen die visuelle Kontrolle beim Zeichnen aufzugeben. Dahinter steht auch der Versuch, an Möglichkeiten des bildnerischen Ausdrucks „heranzukommen“, die durch erlernte Schemata der Darstellung gleichsam kulturell verschüttet worden sind.

 

Bei den Zeichnungen, die Gerhard Lang mit seiner Methode des  „Visus Signatus“ (das gezeichnete Sehen) ausführt, bleiben seine Augen geöffnet, aber richten sich nicht auf das Papier, sondern nur auf das Motiv, so dass nur das in kurzen Intervallen erfolgende ständige Hin- und Herblicken wegfällt. Gleichwohl wird, wie bei der vollständigen Blindzeichnung, die Kontrolle des auf dem Papier Entstehenden durch das Auge aufgegeben.
Damit greift Lang auch ein Bestreben auf, dass im 19. Jahrhundert viele Künstler und auch den Kunsttheoretiker John Ruskin antrieb, nämlich ob sich die Art und Weise, wie wir sehen, unmittelbar darstellen lässt. Auch Paul Cézanne war von diesem Gedanken beseelt und äußerte den Wunsch, die Welt wie ein Neugeborener sehen zu können. Der Kunsthistoriker Ernst H. Gombrich wies jedoch 1960 in seinem Buch „Art and Illusion“ darauf hin, dass dabei übersehen wurde, „wie unermesslich groß der Unterschied zwischen dem Deuten und dem visuellen Erfassen der wirklichen Welt doch ist. Wenn man wie Ruskin und viele seiner Zeitgenossen diese beiden Phänomene gleichsetzt, verrammelt man sich selbst den Weg zum Verständnis bildlicher Darstellung.“ (Ernst H. Gombrich, Kunst und Illusion. Zur Psychologie der bildlichen Darstellung, 6. Auflage, Berlin 2002, S. 230.)

 

Diese „Blindheit“ ließe sich Gerhard Lang jedoch kaum vorwerfen. Ihm geht es nicht um ein Hintergehen des Wissens über die Dinge, sondern um die Frage, wie sich das Sehen einer Wolke oder des Mondes gleichsam mit zeichnen lässt, wie die Darstellung des Sehens sich in die Darstellung des Motivs gleichsam mit einschreibt. Das Sichtbare und das Un- bzw. nicht Sichtbare sind keine getrennten Bereiche, sondern greifen direkt ineinander. Das Unsichtbare verbirgt sich im Innern des Sichtbaren.
Ludwig Seyfarth

 

Gerhard Lang (1963) studierte an der Kunsthochschule in Kassel und an der Slade School of Fine Art in London. Er nahm 1995 an der Biennale in Venedig und 2017 an der documenta in Kassel teil. Seine Arbeiten waren auch zu sehen in der Kunsthalle Düsseldorf, PS1 in New York City, Deutsches Museum in München, Hayward Gallery in London, Canadian Center for Architecture in Montreal (CCA), Kunstverein Frankfurt, Museum Moderner Kunst Kärnten in Klagenfurt und Museumsquartier in Wien. Gerhard Langs bereichsübergreifender Ansatz drückt sich auch in seiner internationalen Lehrtätigkeit aus, die er in unterschiedlichen Fachgebieten ausführt.

 

Danke:
Edith und Hans Fritz Lang
Dr. Andreas und Barbara Sourisseaux
Peter Porebski
Stefan Daub


 

What do we see as we draw? We look at the motif, a face, a landscape, a cloud or the moon, then at the paper while we apply the pencil, then again at the motif. So we can’t look at what we’re drawing and the drawing itself at the same time. So we always see, and we don’t see at the same time. This irrefutable partial „blindness“ has already led many artists to carry out „blind drawings“, i.e. to give up visual control when drawing by closing their eyes. Behind this giving up is also the attempt to „approach“ the possibilities of pictorial expression, which have, as it were, been culturally buried by learned schemes of representation.

 

In the drawings that Gerhard Lang makes using his method of „Visus Signatus“ (the drawn process of seeing), his eyes remain open, but they do not focus on the paper, only on the motif, thus omitting the constant looking back and forth at short intervals. Nevertheless, as with complete blind drawing, the eye gives up control over what is created on the paper.

 

In doing so, Lang also picks up on an aspiration that drove many artists and the art theorist John Ruskin in the 19th century, namely whether it is possible to directly depict the way we see. Paul Cézanne was also inspired by this idea and expressed the desire to see the world like a newborn. However, in 1960 the art historian Ernst H. Gombrich pointed out in his book „Art and Illusion” that this overlooked “how tremendous the gulf is that separates the reading of pictures from the sight of the visible world. Simply to equate the one with the other, as Ruskin did, in common with so many nineteenth-century critics, is to bar one’s way to the understanding of representation.” (Ernst H. Gombrich, Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation, Princeton 1969, p. 270.)

 

One could hardly accuse Gerhard Lang, however, of this „blindness“. His concern is not about ignoring the knowledge of things, but about the question of how the seeing of a cloud or the moon can be drawn, how the representation of seeing is inscribed in the representation of the motif, as it were. The visible and the invisible or non-visible are not separate areas but mesh directly into each other. The invisible is hidden within the visible.
Ludwig Seyfarth

 

Gerhard Lang (1963) studied at the Art School at the University of Kassel and at the Slade School of Fine Art in London. He took part in the Venice Biennale in 1995 and in documenta 14 in Kassel in 2017. He showed in numerous other venues such as Kunsthalle Düsseldorf, PS1 New York City, Deutsches Museum in Munich, Hayward Gallery in London, Canadian Center for Architecture (CCA) in Montreal, Frankfurter Kunstverein, Museum Moder­ner Kunst Klagenfurth (Austria) and the MuseumsQuartier in Vienna. Both Gerhard Lang’s art work and his teaching are essentially interdisciplinary.

 

Thanks to:
Edith und Hans Fritz Lang
Dr. Andreas und Barbara Sourisseaux
Peter Porebski
Stefan Daub

 
 

David Connearn

 

David Connearns seit 1979 kontinuierlich entstehende Zeichnungen bestehen stets aus horizontalen, eng aneinander geführten Linien, mit denen er das Blatt sukzessive von oben bis unten bedeckt. Dafür verwendet er einen Rapidographen, einen Tuschestift, wie er gewöhnlich zum technischen Zeichnen eingesetzt wird, auch von Architekten oder Kartographen. Solch ein Stift eignet sich bevorzugt dazu, entlang von Linealen oder von Zeichenmaschinen geführt zu werden.
Genau dies tut Connearn jedoch nicht. Er zieht jede einzelne Linie freihändig, so dass sich beim Verlauf jeder Linie – auch unter höchster Kontrolle der den Stift führenden Hand – kleine Ungenauigkeiten ergeben, so dass keine der Zeichnungen der anderen gleicht, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag.

 

Connearn lässt sich zu den Künstlern rechnen, die eigentlich nur ein einziges großes „Lebenswerk“ schaffen, an dem sie über Jahrzehnte hinweg arbeiten. Da kann man an den Japaner On Kawara und seine 1966 begonnene Serie der „Date Paintings“ denken, die immer an dem Tag entstanden, das als Schriftbild auf der Leinwand zu lesen ist. Oder an den polnisch-französischen Künstler Roman Opałka, der seit 1965 eine fortlaufende Zahlenfolge mit weißer Farbe auf eine Leinwand aufzutragen begann, bis sie von links oben bis rechts unten gefüllt war, dann die nächste usw., wobei er für den Bildgrund sukzessive etwas mehr Weiß zugab, so dass die Bilder mit der Erhöhung der Zahlen kontinuierlich etwas heller wurden.

 

Sowohl On Kawara als auch Opałka werden gemeinhin der Konzeptkunst zugerechnet. Alles, worauf es bei Werken ankommt, ist jeweils als Konzept oder Idee vorformuliert, dem die Realisierung folgt. Hier besteht nun ein entscheidender Unterschied zum Vorgehen Connaerns. Er folgt zwar einem ebenso strengen „Konzept“ und verzichtet auf jegliche Form expressiven Ausdrucks, aber bei ihm ist genau das, was sich nicht exakt vorplanen lässt, am Ende das Entscheidende – sonst könnte er ja die Linien an einer Schiene entlanggeführt ziehen.

 

Anders als Opałka arbeitet Connaern mit verschiedenen Formaten und es gibt einzelnen Werkgruppen oder Serien: so die prinzipiell endlos weiterzuführenden „Para-Drawings“ oder die Reihen der „5 Drawings“, bei denen er nacheinander fünf Blätter in der Größe von 2 x 2 Metern mit immer dünneren Stiften bezeichnet.
Ludwig Seyfarth

 

David Connearn wurde 1952 geboren. Er studierte Geschichte am Queens College in Cambridge und schloss 1975 mit dem Diplom ab. 1979 erhielt er sein BA in Fine Art (Skulptur) an der Camberwell School of Art. Bis 1981 setzte er das Studium an der Slade School (HDFA) fort. Er wurde 2000 zum John Florent Stone Fellow am Edinburgh College of Art ernannt. Seine Werke befinden sich in den öffentlichen Sammlungen des Victoria & Albert Museum, des City Arts Centre Edinburgh, des Irish Museum of Modern Art, des British Museum, des Arts Council England und The British Council und sie sind in den Sammlung von James Ward Aldon, Adam Barker-Mill, Doris Lockhardt, Alan Banks, der Economist und Unilever.


 

David Connearn’s drawings, which he has been producing continuously since 1979, always consist of horizontal lines that are lay close together and with which he successively covers the sheet from top to bottom. For this, he uses a Rapidograph, an ink pen usually used for technical drawing, and by architects or cartographers. Such a pen is frequently used in conjunction with rulers or drawing machines.
However, Connearn does not do this. He draws each line freehand so that as it proceeds – even though the hand guiding the pen is highly controlled – small inaccuracies occur so that no two drawings resemble each other, even if it may seem so at first glance.

 

Connearn counts among those artists who create only one single great „life’s work“ on which they have been working for decades. One can think of the Japanese artist On Kawara and his series of „Date Paintings“, begun in 1966, which were created day by day. The painting’s date appears as a typeface on the canvas. Another example is the Polish-French artist Roman Opałka, who began in 1965 to apply a continuous sequence of numbers with white paint onto a canvas until it was filled from top left to bottom right, then the next painting, and so on. He successively added a little more white to the image ground, so that the pictures became a little lighter as the numbers increased.

 

On Kawara and Opałka are generally regarded as conceptual artists. Everything that results in a work is pre-formulated as a concept or idea that is followed by its realisation. There is a distinct difference between this and Connaern’s approach. Although he follows an equally strict „concept“ and renounces any form of expressive representation, it is precisely that which cannot be planned in advance that is ultimately decisive – otherwise, he could draw the lines using a ruler.

 

Unlike Opałka, Connaern works with different formats, and there are individual groups of works or series, such as the „Para Drawings“, which in principle could continue indefinitely, or the „5 Drawings“, in which he successively draws on five 2 x 2 metre sheets with ever thinner pens.
Ludwig Seyfarth

 

David Connearn, born 1952, attended Queens‘ College Cambridge where he took a degree in History (1975), Camberwe/1 School of Art where he obtained his BA in Fine Art (Sculpture) in 1979, and was a postgraduate at The Sfade School (HOFA 1981). He was appointed John Florent Stone Fellow at the Edinburgh College of Art in 2000. He has works in the public col/ections of the Victoria & Albert Museum, the City Arts Center Edinburgh, the lrish Museum of Modem Art, the British Museum, the Arts Council England and The British Council, and it is in the col/ection of James Ward Aldon, Adam Barker-Mi/1, Doris Lockhardt, Alan Banks, of the Economist and Unilever.


Presseinformation Gerhard Lang – drawing
 
PressRelease Gerhard Lang – drawing  


Presseinformation David Connearn – drawing
 
PressRelease David Connearn – drawing