Michael Kenna + Hisaji Hara + Natsumi Hayashi

March 15 – April 20, 2019

March 15, 7pm

Michael Kenna, Uiko, Study 5, Edition 6/25, 2015, silver gelatine on barytpaper, 51 x 41 cm mounted

Michael Kenna, Sono, Study 5, Edition 1/25, 2017, silver gelatine on barytpaper, 51 x 41 cm mounted

Michael Kenna, Makiko, Study 1, Edition 7/25, 2012, silver gelatine on barytpaper, 51 x 41 cm mounted

Michael Kenna, Yayoi, Study 1, Edition 4/25, 2008, silver gelatine on barytpaper, 51 x 41 cm mounted

Michael Kenna, Ayako, Study 3, Edition 5/25, 2010, silver gelatine on barytpaper, 51 x 41 cm mounted

Michael Kenna, Uiko, Study 1, Edition 1/25, 2015, silver gelatine on barytpaper, 51 x 41 cm mounted

Hisaji Hara and Natsumi Hayashi, Playing Levitation, 2017, Edition: 1/5, Size: S, Inkjet print on Hahnemühle Photo Rag® Satin paper (archival pigment print), 51 x 41 cm mounted

Hisaji Hara and Natsumi Hayashi, Playing Levitation, 2017, Edition: 1/5, Size: S, Inkjet print on Hahnemühle Photo Rag® Satin paper (archival pigment print), 51 x 41 cm mounted

Hisaji Hara and Natsumi Hayashi, Untitled, 2017, Edition: 1/5, Size: S, Inkjet print on Hahnemühle Photo Rag® Satin paper (archival pigment print), 51 x 41 cm mounted

Hisaji Hara and Natsumi Hayashi, Playing Twins, 2017, Edition: 2/5, Size: S, Inkjet print on Hahnemühle Photo Rag® Satin paper (archival pigment print), 51 x 41 cm mounted

Hisaji Hara and Natsumi Hayashi, Untitled, 2016, Edition: 1/5, Size: S, Inkjet print on Hahnemühle Photo Rag® Satin paper (archival pigment print), 51 x 41 cm mounted

Hisaji Hara and Natsumi Hayashi, Untitled, 2017, Edition: 1/5, Size: S, Inkjet print on Hahnemühle Photo Rag® Satin paper (archival pigment print), 51 x 41 cm mounted

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht

Michael Kenna  

 

Vertraut mit den schönen Landschaftsfotos von Michael Kenna, besonders mit den kargen und erhabenen von der Insel Hokkaido, sah ich in den Aktfotos von Japanerinnen fast assoziativ, ihre Körper als Landschaften. Genauso wie in den Fotos der Natur, scheint er auch hier immer die zarteste Abstraktheit in isolierten Formen und auch verschiedene Blickwinkel auf starke Hell- und Dunkelkontraste (zwischen der dunklen Baumrinde und dem von der Sonne durchtränkten Schnee) zu suchen und zu finden. Kenna bietet uns diesmal mit seinen Akten imaginierte Figurative Landschaften an, den Körper in verschiedenen Posen und durch die Beeinflussung des Lichts, immer wieder formend und so abstrakte Formen erschaffend, die im zunehmenden Schatten aus dem Inneren heraus zu glühen scheinen. Aber es ist in Kennas Arbeit nicht einfach nur das Neu-Formen des Körpers oder eine Sache des fotografischen Handwerks, in dem er das Licht dazu bringt, bestimmte Effekte zu erzeugen. Es wird mit Zärtlichkeit und dem Gefühl für Diskretion ans Werk gegangen und das erlaubt den Frauen nicht nur vor der Kamera als Subjekte zu funktionieren, sie können die Formen ihres Körpers entfalten. Ihre Schönheit ist sowohl unbestreitbar als auch imaginär. Es ist Kennas Handschrift in seiner ganzen Arbeit, dass er uns Betrachtende mit dem Wunsch zurücklässt, auch die Plätze zu sehen, die er besucht, auch wenn diese Plätze, diese Berggipfel und Täler, so intim und sublim sind, so abstrakt und doch auch wieder so umfassend und ergreifend konkret, dass sie gänzlich unerreichbar erscheinen.
Richard Milazzo

 

Michael Kenna ist im besonderen für das intime Format seiner Fotos und die minutiösen Abzüge bekannt. Er arbeitet noch in der traditionellen analogen Technik der Fotografie, nicht digital. Seine vorzüglich gearbeiteten schwarz-weiß Abzüge spiegeln einen Sinn für Feinheit, Respekt für Geschichte und tiefe Einfachheit wieder. Seine Fotografien wurden weltweit in mehr als 600 Galerie- und Museumsausstellungen gezeigt und befinden sich in den Sammlungen der Bibliotheque National, Paris, des Metropolitan Museum of Photography, Tokyo, der National Gallery Washington D.C., des Shanghai Art Museum and des Victoria and Albert Museum, London. Im Jahr 2001 wurde er zum Chevalier des Arts et Lettres im Orden der Künste und Literatur des französischen Kulturministeriums ernannt. 1953 in Widnes, England geboren, lebt er in Seattle, Washington, USA und mit seiner Hasselblad Kamera auf Reisen rund um die Welt.

 
                                                                                                                                                         
Being familiar as I am with Michael Kenna’s beautiful landscape photographs of Japan, particularly the austere but sublime ones of Hokkaido, I saw in these photographs of nude Japanese women, almost by association, a treatment of the body as landscape. Just as in the photographs of nature, he always seems to seek out and find the subtlest abstract values in isolated forms and through various perspectives generated by strong contrasts between darkness and light – between the darkness of the tree’s bark and the snow saturated by sunlight –, Kenna, this time, in this series of nudes, offers us imaginative figurative ‘landscapes’ through the reshaping of the body in various poses and through the artificial manipulation of light in the studio, generating abstract forms that seem to glow in the ever-deepening shadows, but from inside. However, in Kenna’s work, it is not just a matter of ‘reshaping’ the body as if it were merely a piece of clay or a matter of ‘manipulation’ as in tricking the light into achieving certain effects. There is a tenderness and a sense of discretion at work here that allows these women to function not merely as Subjects but as Women unfolding the shapes of their own bodies. Some of them are solemn, some playfully surrealistic (seemingly referencing Man Ray’s photographs), and others simply veer off into the purest sublimations of the body. Their beauty is both undeniable and imaginative. As is Kenna’s signature in all his work, he leaves us wanting to go to the ‘places’ he visits, even where sometimes those places, those summits and valleys, are so intimate and sublime, so abstract and yet so profoundly and poignantly specific, they seem utterly unapproachable.
Richard Milazzo  

 

Michael Kenna is particularly famous for the intimate scale of his photography and his meticulous printing. He works in a traditional, non-digital photographic medium. His intimate, exquisitely hand crafted black and white prints reflect a sense of refinement, respect for history, and thorough originality. Kenna’s photographs have been shown in over six hundred gallery and museum exhibitions throughout the world, and are included in such permanent collections as The Bibliotheque Nationale, Paris; The Metropolitan Museum of Photography, Tokyo; The National Gallery, Washington, D.C.; The Shanghai Art Museum; and The Victoria and Albert Museum, London. In 2001, Kenna was made a Chevalier in the Order of Arts and Letters by the Ministry of Culture in France. Born in Widnes, England in 1953, he currently lives in Seattle, Washington, USA, and continues to photograph throughout the world.        
Richard Milazzo

 
 

Hisaji Hara und Natsumi Hayashi

 

Ich denke, Hisaji Hara und Natsumi Hayashis Fotos tragen einige scheinbar spielerische, aber eigentlich schwierige Fragen vor. Wo beginnt und endet Unschuld? Wo kommt dieser Blick der jungen Mädchen her? Ist er unbewußt mit ihrer Libido verbunden wie eine Art Knete oder wurde er von den Fotografen in sie hineingelegt, um den männlichen Blick herauszufordern, um ihn umzudrehen, um den Betrachter wissen zu lassen, dass er vom Subjekt ebenso intensiv betrachtet wird, wie er es betrachtet. Wer betrachtet wen in dieser Spiegelwelt? Gibt es einen Teil von uns, der verborgen oder im Schatten liegt und darauf wartet, entdeckt zu werden? Der es wert ist oder vielleicht unwert, ausgegraben zu werden? Wie sind wir verbunden? Bis zu welchem Maß sind die Spiele, die wir spielen, grausam oder unschuldig, selbstbewußt oder geringschätzig? Welche Rolle spielt die Zunge in unserem Leben, besonders für uns Erwachsene im Gegensatz zu den Kindern, und außerhalb von Rede und der Abstraktion durch die Literatur, wie kann sie als Instrument genutzt werden? Bis zu welchem Punkt wird ein Kind gehen, um zu erreichen, was es erreichen will und gibt es uns Einsicht darüber, bis wohin ein Erwachsener gehen würde? Ist ein Mensch, der fähig dazu ist, edel zu sein, auch fähig dazu, liederlich zu sein zu jeglichem gegebenen Zeitpunkt und umgekehrt, und wer sind wir, das zu beurteilen in Zeiten der ungebändigten Informalität? Was ist der wahre Charakter unserer Erwartungen? Sind sie rücksichtslos und unvernünftig oder mit einigen in uns eingebauten Zensurmechanismen verbunden? Wagen wir es öffentlich zu träumen? Haben unsere Träume den Mut, ihrer Überzeugungen; und andersherum: Können wir loslassen, uns loslassen? Haben unsere Toleranzebenen einen Grenzbereich? Und, um beinahe den Kreis zu schließen, wo beginnen Bitterkeit und Süße und wo enden sie? Sind sie die beiden Seiten einer Medaille und ist es wahr, dass der Tod das bittersüße Ende aller Desillusion ist. Für wie lange oder bis zu welchem Maß sind wir wirklich offen bevor wir uns ganz dessen bewußt werden wer wir sind oder wer wir denken zu sein? Können wir es zum Programm machen auf Luft zu gehen? Ich meine: Können wir dieses Gefühl neu erfinden, wenn wir es verlassen haben oder es uns verlassen hat? Ist es möglich, der Realität auszuweichen, unseren Geschäften zu folgen ohne die Gesetze der Natur zu beachten? Können wir so vor Freude springen wie Kinder seilspringen? Können wir die Realität umfahren ohne dabei einen Unfall zu erleben? Können wir dort hineinstürmen, wo sich Engel fürchten zu gehen? Und können wir dabei ein kariertes Kleid oder Hemd tragen? Können wir das Vergnügen verdoppeln, zur gleichen Zeit gehen und Kaugummi kauen? Ist Unschuld in der Gegenwart anderer möglich oder nur etwas, das wir spielen? Ich wiederhole mich: Können wir dort hineinstürmen, wo sich Engel fürchten zu gehen, und können wir das ohne Flügel?
Richard Milazzo  

 

Hisaji Hara und Natsumi Hayashi sind ein japanisches Fotoduo. Bevor sie anfingen, zusammen zu arbeiten, arbeiteten sie seit 2009 einzeln in Tokio als Fotografen an der Serie „After Balthus (Eine fotografische Darstellung der Gemälde von Balthus)“ bzw. „Today’s Levitation“. Nach dem Erdbeben in Ostjapan und der darauffolgenden Atomkatastrophe im Jahr 2011 waren sie von Tokio in den Süden Japans gezogen und begannen, als Duo zusammenzuarbeiten. Seitdem arbeiten sie an der Serie „Gazing Into the World“, die sich hauptsächlich auf die Zusammenarbeit mit lokalen Kindern in „Kyushu Island“ konzentriert, auf der sich das Duo derzeit befindet.      

 

I think Hisaji Hara and Natsumi Hayashi’s photographs ask some seemingly playful but difficult questions: where does innocence begin and end? Where does that look in these young girls’ eyes come from; does it emanate unknowingly from the libido as a form of Play Doh or is it planted there by the photographers to challenge the male gaze, to invert it, to let the viewer know that the Subject is watching the viewer just as intently as the viewer is watching the Subject or us? Who is watching whom in this mirror world? What can we get away with in the dark? Is there any part of ourselves that is hidden or in the shadows that is waiting to be uncovered, that is worthy, or perhaps unworthy, of being unearthed? How are we connected; to what extent are the games we play cruel or innocent, self-conscious or disparaging? What role does the tongue play in our lives, especially as adults as opposed to children, and apart from speech and the abstraction of literature, how can it be used as an instrument? To what extent will a child go to get what it wants, and does that give us any insight into what extent an adult would go? Is the person who is capable of being noble also capable of being slovenly at any given moment, and vice versa, and who are we to judge in this age of unruly informality? What is the true nature of our expectations; are they reckless or unreasonable or do we short-circuit them in the name of some hidden or built-in censoring mechanism? Do we dare to dream in public; do our dreams have the courage of their convictions; and conversely, are we capable of letting go, of letting ourselves go? Do our levels of tolerance have a threshold? And, almost coming full circle: where do the traits of bitterness and sweetness begin and end; are they two sides of the same coin, and is it true that death is the bitter-sweet end of disillusionment? For how long or to what degree are we truly unbound before we become fully conscious of who we are or think we are? Can we walk on air programmatically; I mean, can we reinvent that feeling after we have abandoned it or it has abandoned us? Is it possible to just sidestep reality, go about our business without paying any attention to the laws of nature? Can we jump for joy in the same way a child skips rope; can we bypass reality without crashing and burning? Can we rush in where angels fear to tread, and can we do so wearing a plaid dress or shirt? Can we be innocent together; can we double our pleasure, walk and chew gum at the same time? Is innocence possible in the presence of others, or is it only something we can play at? Let me repeat myself: can we rush in where angels fear to go, and can we do so without wings?
Richard Milazzo  

 

Hisaji Hara and Natsumi Hayashi is a Japanese photography duo. Before start working together, they worked individually in Tokyo as photographers since 2009 on the series such as “After Balthus (A Photographic Portrayal of the Paintings of Balthus)” and “Today’s Levitation” respectively. After experiencing the Great East Japan Earthquake and the subsequent nuclear disaster in 2011, they had moved out from Tokyo to Southern part of Japan and started working together as a duo. Since then, they have been working on the series called “Gazing Into the World” which mainly focuses on collaborating with local children in “Kyushu Island” where the duo currently is based in. Their work is collected by several museums around the world.


 

Presseinformation MK Rafu
 
PressRelease MK Rafu  


Presseinformation HN Gazing Into the World
 
PressRelease HN Gazing Into the World